Herdentrieb

Warum es sinnvoll sein kann, bei einem Brand die Feuerwehr zu rufen

Feuer in SolothurnAm späten Nachmittag des 29. März 2011 ist im Herzen der Solothurner Altstadt in einem Dachstock ein Feuer ausgebrochen. Das Gute vorweg, es kamen keine Personen zu Schaden. Im Einsatz standen die Feuerwehren aus zwei Städten und der Feuer-wehrkommandant aus Solothurn betonte, dass die herrschende Windstille das Glück der Einsatzkräfte gewesen sei. So fielen diesem Unglück in der dicht bebauten Altstatt nur 5 Gebäude zum Opfer, eine in der Nähe liegende Kathedrale blieb verschont. Für die Betroffenen ein schlimmer Tag, für den Informationskonsumenten eine Meldung unter vielen, für den kritisch interessierten Leser erschreckend! Warum?

Nachforschungen der Solothurner Gebäudeversicherung haben ergeben, dass es über 35 Minuten gedauert hat, bis nach dem Endecken des Brandes die Feuerwehr alamiert wurde. Dies, obwohl ca. 5o Personen das Feuer beobachtet haben. Wie konnte es dazu kommen, dass niemand dieser Beobachter daran gedacht hat, das Naheliegende zu tun? Offensichtlich handelte es sich hier um eine besondere Ausprägung des Phänomens der sozialen Bewährtheit:  „Bisher hat immer jemand die Feuerwehr gerufen“.

Unter sozialer Bewährtheit, neuhochdeutsch social proof, wird das Bestreben verstanden, sich an dem Verhalten andere Menschen zu orientieren. Auf den obigen Fall bedeutet dies auf der einen Seite, dass alle das Gleiche tun, einfach nur zuschauen. Auf der anderen Seite wird davon ausgegegangen, dass das, was bisher bei Ereignissen gleicher Art funktioniert hat, die Alarmierung der Feuerwehr, auch hier stattgefunden hat.

Notrufnummern SchweizWas habe ich für mich aus dieser Meldung gelernt? Obwohl jedes Handy einen „SOS“-Funktion hat, habe ich mir die Notrufnummern der Schweiz wieder ins Gedächtnis gerufen. Es spielt in einem Notfall keine Rolle, ob ich diesen als Erster, als Fünfter oder als Zwanzigster melde. Vielleicht kann meine Reaktion helfen, Schlimmeres zu vermeiden. Der Black Swan wäre vielleicht nicht zu seinem Auftritt gekommen.

Grosses Pech für den Solothurner Unternehmer R.  Am Dienstag hat er in der Solothurner Altstadt ein Haus gekauft. Nur Minuten darauf brach Feuer aus. Der Sachschaden beträgt mehrere Millionen Franken.
Von den fünf betroffenen Liegenschaften an der Hauptgasse waren zwei im Besitz von R. Unmittelbar zuvor hatte er das Haus Nr. 54 an der Hauptgasse erworben und es weiter vermietet.
Quelle SF.TV – Vermischtes Meldung v. 30.3.2011

Als Schwarzer Schwan gilt ein höchst unvorhersehbares Ereignis, das in dem gleichnamigen Buch von Nassim Taleb beschrieben wird. Ich werde in weiteren Artikeln auf den Schwarzen Schwan näher eingehen. Nassim Taleb ist mir im Geiste sehr nahe, da es ihm in seinen Büchern hervorragend gelingt, Dinge aus den unterschiedlichsten Richtungen zu beleuchten, oftmals gegen die herrschende Meinung, ganz im Sinne des advocatus diaboli.

Kategorie(n): Allgemein
Tags: , ,

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.